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Sources
1. Source:   Fam.-Reg. 8,304. Grabst.
2. Source:   Fam.-Reg. 4,127; 4,492; 8,304; verwundet 8.5.45; letzter Kriegstag 9.5.1945 (Brief 9.10.1946 von Krankenschw. des Lazarettzugs s. Notizen); Soldatenfriedh. in Kriegern. Grabst. Wangen: Richard Klein 2

Notes
a. Note:   Der letzter Brief von Richard, geschrieben 21.Febr. 1945 an seine Eltern,
 Fam. Hermann Klein, Stuttgart Wangen, Ravensburgerstr. 20/1.
 Absender Richard Klein, Marsch Kompanie; Ausbilder b. Abteil. der Panzer
 Ingenieur Schule, Milowitz bei Prag; 11b.
  Liebe Eltern,
 Heute will ich wieder einmal einen Brief schreiben da ich gerade während
 der Dienstzeit dazu Zeit habe.
 Soviel ich noch weiss, habe ich Euch in meinem letzten Brief geschrieben,
 dass ich von der Marschkompanie aus zu einer Nachbareinheit kommandiert
 wurde, zum Hausjockel und Lehrsaalwart. Nachdem ich nun schon über 8 Tage
 an diesem Platz bin, kann ich Euch mitteilen, dass es mir dabei recht gut
 gefällt. Jedenfalls könnte ich das Kriegsende hier abwarten. Mit Alarmen
 haben wir hier nicht zu viel zu verspüren, nur so ab und zu ertönt einmal
 die Sirene. In Prag ist es schon anders. Da wird öfters Voralarm und
 Alarm gegeben. Aber hier wo nur Soldaten liegen wird nur im äussersten
 Fall Unruhe ins Volk gebracht. Am Montag durfte ich eine Dienstreise nach
 Prag machen, und da ertönten die Sirenen auch, aber nur Voralarm,
 passiert ist nichts dabei. Ihr werdet denken eine Dienstreise nach Prag?
 Ja, beim Komiss darf man nicht einfach in den Zug sitzen und losfahren
 wollen, denn man könnte ja davongehen, und Prag ist immerhin eine
 Bahnstunde von hier entfernt. Man darf sich überhaupt nur im
 Standortbereich bewegen, und der ist nicht sehr gross. Es ist sehr
 schade, dass ich so wenig Gelegenheit habe in diese schöne Stadt zu
 fahren. Dort gibt es noch manche Möglichkeit einzukaufen, was man sonst
 nicht mehr bekommt. Mit dem Essen wäre es auch nicht so schlecht
 bestellt, denn mit ganz wenig Marken kann man auch als Soldat so nebenbei
 etwas zwischen die Zähne bekommen. Es ist komisch, dass man als Landser
 immer mehr ans Essen denkt als wie im Zivilleben, aber schon die
 Faulenzerei trägt dazu viel bei. Wenn man sich bei der Arbeit vergessen
 kann, dann vergisst man auch den Kohldampf. Allerdings muss ich sagen,
 dass es höchste Zeit wird, dass der Krieg ein Ende findet, denn wenn man
 so wenig zu Essen bekommt wie gegenwärtig der deutsche Landser, dann soll
 Soldat spielen wer will. Ich weiss natürlich, dass auch Ihr zuhause recht
 mager gehalten werdet, und deshalb muss dieser grausame Schwindel ein
 Ende finden. Oder soll tatsächlich jeder letzter deutsche Tropfen Blut
 vollends vergossen werden? Es ist ja furchtbar, wenn wie Gertrud in ihrem
 ersten Brief, der mich gestern erreichte, mitteilte, dass Ihr an einem
 Tage 13 mal Alarm gehabt hattet. Soll solche Nervenzermürbung noch lange
 von der Heimat verlangt werden? Wir fragen uns, und niemand gibt die
 Antwort. Gerade Euch älteren Leuten hätten wir Jungen so gerne einen
 schöneren Lebenabend gewünscht. Wahrhaft, Ihr habt Euch genug geschunden
 und geplagt, und ein solcher Krieg muss Euren Lebensabend noch so
 verbittern. Im Innern wünsche ich manchmal alles nur nichts Gutes dem,
 der daran Schuld trägt. Doch wer ist es? Wie Ihr gearbeitet habt, das
 habe ich bis jetzt überall wo ich hinkam verglichen mit der Leistung
 anderer Menschen in anderen Städten und Gauen. Ich kam dabei zu der
 Feststellung, dass wir Württemberger dumme Esel sind!
 Sorgt bitte dafür, dass Ihr Euer Leben über das Kriegsende hinausschlägt,
 wenigstens soviel Ihr dazu beitragen könnt, damit wir uns dann
 wiedersehen können.
 Zum Schluss lasst mich Euch herzlich grüssen in der Hoffnung, dass Ihr
 gesund seid, was ich von mir auch berichten darf.
 Auf Wiedersehen!
 Euer Richard.
  Herzliche Grüsse an Mina, Albert und Helmut.
 --------------------------------------------------------------------------
 ---------
 Brief von Charlotte Besser and Richards Ehefrau Gertrud. Mitteilung des
 Todes von Richard.
  "Königsbrück, den 29.10.1945.
 Liebe Frau Klein!
 Nachdem nun die Grenzen im amerikanisch sowie britisch besetztem Gebiet
 für den Postverkehr geöffnet wurden, will ich sofort versuchen einige
 Zeilen an Sie zu senden. Ich bitte Sie mir den Erhalt des Briefs baldigst
 zu bestätigen, damit ich weiss, dass er richtig in Ihre Hände gelangte.
 Sie werden sich wundern von einer Ihnen völlig fremden Frau Post zu
 bekommen, Doch ich will Ihnen einiges Nähere über Ihren lieben Gatten
 mitteilen. Ob Sie von irgendeiner Seite schon Nachricht erhielten weiss
 ich nicht, doch bei dem damaligen Chaos ist es sehr leicht möglich, dass
 dies nicht der Fall ist. Am 8. Mai vormittags wurde Ihr Mann verwundet
 und in unseren Lazarettzug gebracht, wo ihm sofort ärztliche Hilfe zuteil
 wurde. Er kam in den von mir betreuten Wagen zu Fuss, trotz eines
 Lungensteckschusses. Ich habe die ganze Zeit, bis ich ihm die Augen
 schliessen konnte, an seinem Lager gesessen. Er starb am 9.5.1945 morgens
 ½ 6 Uhr. Bis zuletzt hat er von Ihnen und seiner baldigen Genesung
 gesprochen. Er hatte keine grossen Schmerzen, still und lächelnd schlief
 er am Morgen ein. Ich spreche Ihnen noch heute meine stille Anteilnahme
 aus und versichere Ihnen, dass Ihrem lieben Manne noch viel Not und Leid
 erspart blieb. In Kriegern / Sudetengau wurde er auf dem Heldenfriedhof
 zur letzten Ruhe gebettet.
 Unser Lazarettzug erreichte amerikanisches Gebiet nicht mehr. In
 tagelangen Kreuz-und Querfahrten durch die Tschechei bei Hunger und
 Durst, der vor allem die Schwerverwundeten sehr quälte, holte uns der
 Russe in Peaten ein. Das Pflegepersonal, welches bei unseren Soldaten
 noch verblieben war, geriet in Gefangenschaft. Was aus den Verwundeten
 geworden war, kann nur der erzählen, welcher es miterlebte. Ich selbst
 wurde nach Karlsbad gebracht und erst nach 14 Tagen, während dieser Zeit
 wir uns nur von Brennesseln und einer gebettelten Kartoffel nährten,
 konnte ich mit meinem Jungen den Heimweg antreten. Was dann noch kam,
 kann ich Ihnen garnicht schildern. Doch wo die Heimat ist, dahin zieht es
 einen mit Macht zurück. Einige Stücke meines Wohnungsinventars konnte ich
 noch retten, doch sonst ist alles weg. Noch haben wir aber ein Dach über
 dem Kopf, wenn sie nicht eines Tages dieses auch noch fortnehmen. Doch
 trösten wir uns, auch für uns scheint mal die Sonne wieder. Oft schon
 habe ich Ihrem lieben Gatten seine köstliche Ruhe geneidet und mich an
 seine Stelle gewünscht. Doch anderen Offiziersfrauen geht es ja noch
 schlimmer.
 Meine liebe Frau Klein, den Nachlass Ihres Gatten habe ich sofort dem
 Deutschen Roten Kreuz des Lazarettzugs ausgehändigt und denke, dass Sie
 vielleicht doch schon im Besitz desselben sind. Ich versichere Ihnen
 nochmals wärmste Anteilnahme an Ihrem schweren Verlust, doch können Sie
 noch immer stolz darauf sein, dass Ihr Mann für Deutschland bis zum
 letzten Tage kämpfen durfte.
 Ich grüsse Sie herzlichst unbekannt
 Ihre Charlotte Besser."
  Anmerk.: Königsbrück nordöstl. von Dresden.- Kriegern zwischen Karlsbad
 und Prag, etwa in der Mitte; heute tschechisch Kryry.



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